Geschäftsbericht 2003

16.03.2004 Liebe Vereinsmitglieder,

das Geschäftsjahr 2003 wurde geprägt durch die Administration für den Ausbau der Schule in Kollo. Wie Ihr sicherlich durch den Geschäftsbericht 2002 mitbekommen habt, entschlossen wir uns nach dem Scheitern des Stausee Projekts den Ausbau der Schule zu forcieren. Bei der satzungsgemäßen, jährlichen Hauptversammlung wurden die bisherigen Vorstandsmitglieder entlastet. Die Kasse wurde geprüft und durch den Kassenprüfer Rudi Kübel für in Ordnung befunden. Unser Verwaltungsaufwand beträgt z.Zt. 2%. Durch Wahl zum neuen Vorstand wurden gewählt:

Erster Vorsitzender: Wolf gang Krczal-Lindenberger
Zweite Vorsitzende: Beate Fränznick
Kassenwart: Michael Specht

Der neue Vorstand möchte dem bisherigen Vorständen Rainer Maurhoff und Armin Weimar für ihre jahrelange und gute Arbeit ganz herzlichen Dank sagen. Bitte bleibt uns mit Eurem Einsatz erhalten! Die Anzahl unsrer Freunde und Förderer hat sich 2003 nicht verändert. An dieser Stelle möchte ich ein ganz großes Danke an alle Freunde, Förderer und Vereinsmitglieder sagen, für die doch schon lange Unterstützung unserer Vereinsarbeit.

Unsere Aktionen: Die monatlichen, regelmäßigen Sitzungen verliefen immer produktiv! Im Juni feierten wir ein Juhrtenfest, welches viel Spaß brachte. Unser Hauptaugenmerk um Gelder in die Kassen zu bringen lag auch 2003 bei unserer 3. Cocina- Afro-Latina Im Oktober war die "Rote Halle" auf dem Heilbronner Gaffenberg wieder Treffpunkt für viele Schleckermäuler. .   Coripata  Bis Ende November letzten Jahres, glaubten wir im Verein, dass auch diesmal dem Geschäftsbericht Gutes und Bewährtes, aber dennoch nichts "Neues" aus Bolivien zu berichten sei.

Falsch gedacht!

Kurz vor Weihnachten bekamen wir einen Brief aus Bolivien, mit der Bitte, um die Unterstützung eines neuen Projektes in Laja, einer kleineren Gemeinde auf dem Altiplano (Hochebene Boliviens und Perus, dort wo der Titicacasee liegt. Höhe ca. 4500m).

Zuerst waren wir skeptisch, da wir den finanziellen Bedarf eines solchen Projektes kennen und momentan nicht die Mittel zur Verfügung haben noch ein Projekt zu finanzieren. Nach einem persönlichen Gespräch mit Maria Julia, unserer Koordinatorin der Aktivitäten in Bolivien, stellte sich jedoch sehr schnell heraus, dass dies nicht der Fall wäre, sondern, dass es sich lediglich um eine Umschichtung der Mittel aus dem bestehenden Projekt in Coripata handelt, welche durch kluge strukturelle Entscheidungen teilweise frei geworden sind. Unsere Befürchtungen und Fragen hinsichtlich eines" Rückzugs" aus Coripata und den Yungas, wurden aber sehr schnell damit entkräftet, dass die Schwestern in den letzten Jahren ganze Arbeit im Sinne der Menschen und im Sinne unseres Vereinsmottos geleistet haben. Mit unserem Anspruch, " Hilfe zur Selbsthilfe", konnte die Arbeit durch eine Vielzahl von Maßnahmen, wie die Schaffung dezentraler Sanitätsposten, konkreter Maßnahmen im Bereich der Vorsorge und Säuglingspflege, etc. , vor allem aber durch regionale Aus- und Fortbildungen der" Postas Sanitarias" (Helfer und Ersthelfer vor Ort) in optimalem Sinn entwickelt und ergänzt werden. Die Schwestern werden diese Form der medizinischen Notfall- und Präventionshilfe auch in der Zukunft weiter entwickeln und zugleich den direkten Kontakt mit der ländlichen Bevölkerung fortsetzen.

Für die nun, durch strukturelle Maßnahmen frei gewordenen Mittel, entstand der Wunsch und die Aufgabe in einer weiteren Region Boliviens, (welche übrigens noch ärmer als die Yungas sind) im Auftrag unseres Verein aktiv zu werden. Nachdem klar war, dass dies momentan keine weiteren finanziellen Anforderungen vom Verein erfordert, haben wir diesem Ansinnen sehr gerne zugestimmt. Wir freuen uns, dass unser jahrelanger Beitrag zur sozialmedizinischen Entwicklung in Coripata sich bewährt hat und sich aus den Erfolgen und Entwicklungen weiterführende Initiativen entwickelt haben, deren Erfolg wir uns genau so sehr wünschen und von dem wir auch überzeugt sind. Über die neusten Entwicklungen vor Ort werden wir sobald als möglich genaueres berichten.   Geschäftsbericht 2003  Engagierte Schüler und Lehrer

Nach den Sommerferien wurde in der Cleebronner Schule das Thema Entwicklungsländer behandelt. Durch die Schulpartnerschaft mit Kollo war der Unterricht sehr wirklichkeitsbezogen und von persönlichem Interesse geprägt. Durch zwei Dia Vorträgen konnten Schüler und Lehrer, mittels lebhafter Bilder und Beschreibungen, am Leben und Geschehen Kollos teilnehmen. Bei einem anschließenden Interview stellten die Schüler Fragen die zeigten das sie sich sehr mit dem Alltag ihrer Schulkameraden aus der Sahelregion auseinandersetzen. Motiviert und engagiert bastelten und backten Schüler, Eltern und Lehrer allerlei fiir den bevorstehenden Advendsbazar . Das Selbstgebastelte sowie Kaffee und Kuchen, Glühwein und Rote Würste vom Grill wurden in der winterlich dekorierten alten Kelter verkauft und brachte einen beachtlichen Ertrag ein, der als Spende nach Kollo überwiesen werden soll. Umrahmt wurde der Nachmittag von Kinderchor, Posaunenchor und Aufführungen der Schüler. Der Selbsthilfe dritte Welt Verein war mit einem viel besuchten Stand vertreten. Hier konnten die Eltern und ihre Kinder vieles kritisch hinterfragen und bekamen Informationen über Kollo aus erster Hand.

Wichtiger Erfolg bei der Schulerweiterung

Durch gutes Zusammenwirken des Bundesministeriums für Wirtschaft und Zusammenarbeit (BMZ), der AMK in Kollo und des Selbsthilfe Verein dritte Welt konnten wir unser erstes Etappenziel bei der Erweiterung der Schule in Kollo erreichen. Genaue Planungsunterlagen, Kostenkalkulationen, Angaben über Kollo und Umgebung, Schülerzahlen und Bescheinigungen der örtlichen Behörden waren wichtige Bestandteile im Antrag auf Bezuschussung des Projekts beim BMZ in Bonn. Von dort erhielten wir Anfang Dezember den Bescheid zur Bewilligung der beantragten Mittel. Gerade noch rechtzeitig das Karola Yameogo die gute Nachricht persönlich bei ihrem Projektbesuch in Kollo verkünden konnte.

Grundrecht auf Bildung

Weitgehend zu einem Selbstläufer hat sich das Projekt Patenschaften entwickelt. Die Familien der Paten und der Patenkinder schreiben sich Briefe und schicken sich Päckchen. Die organisatorische Abwicklung in Burkina Faso übernimmt Camille Ramde. Wie sich bei Karolas Besuch im Dezember bewies, arbeitet er sehr korrekt und übersichtlich. Fotos, Namen, Alter und Familiensituation sind alle in einem gut geführten Ordner aufgelistet. Er übergibt das Schulgeld, erledigt zum Teil Formalitäten und unterstützt die Kinder beim Briefe schreiben an ihre Paten. Kontaktperson hier ist Annerose Maurhoff. Aktuell bestehen 12 Patenschaften durch die ein Schulbesuch der Kinder in Burkina Faso gesichert wird. Das Projekt soll auf einen Rahmen von 20 Paten beschränkt bleiben.

Auf dem Weg nach Afrika

Vereinsmitglied Karola Yameogo bekam im Sommer 2003 von der Klinik, in der sie heute arbeitet, einige Hilfsmittel geschenkt. Sie waren für das Orthopädische Hilfszentrum in Koudougou, Burkina Faso bestimmt, in dem sie während ihres Aufenthalts als Entwicklungshelferin gearbeitet hatte. Unser Verein übernahm die Aufgabe den Transport zu organisieren und zu finanzieren.

Ernüchtert über die hohen Preise die ein offizieller Transport per Post oder Container kosten würde, suchten wir nach einer Alternative die Gehstützen, Prothesenteile, Stützbandagen und vieles mehr günstig nach Burkina Faso zu befördern. Die Sterne standen günstig den der Vorstand der Deutsch Burkinischen Freundschafts Gesellschaft plante gerade eine LKW - Überführung nach Koudougou auf dem unsere Hilfsgüter noch Platz finden könnten. In Windeseile wurden fünf riesige Kisten und vier Fässer wüstentauglich befüllt und verpackt, mit Empfängeradresse und Zollinhaltserklärung versehen. Der Laster kam, doch leider hatte er nicht genügend Platz um alles aufzuladen, also wurde die Fracht geteilt in Fässer und Kisten. Die Fässer blieben hier, die Kisten durften mit. Wir hatten Glück und fanden für die Fässer bald eine andere Möglichkeit sie an ihr Ziel zu bringen. Einen Burkinabe in Tuttlingen betreibt dort ein Bauingeneurbüro und exportiert zudem auch Fahrzeuge in alle Welt, auch nach Burkina Faso. Wir fuhren die besagten Fässer zu ihm, verstauten sie in zwei Gebrauchtfahrzeuge und schon ging die Reise los übers große Meer. Glücklich und zufrieden, die gute Fracht mit wenig Kosten dem Ziel entgegen gebracht zu haben, sahen wir die Aktion als abgeschlossen an. Kurze Zeit später erfuhren wir jedoch das der LKW Transport wegen länderübergreifenden, zollrechtlichen Bestimmungen, Einfuhr- und Transitproblemen und Zeitnot abgebrochen wurde. Also gings von Südspanien wieder zurück nach Hamburg, das tat weh, war aber der einzige Weg. Hier steht der LKW nun, mit seinen Kisten im Gepäck und wartet darauf auf dem Seeweg seinen Bestimmungsort zu erreichen. Gleich im Januar 2004 waren die Fässer im Zentrum angekommen, zum Ärger aller waren diese aber leider leer. Die Fracht aus Schuhen, Bandagen und Kleidungsstücken fand wohl auf dem langen Weg vom Hafen in Cotonu bis nach Koudougou andere Interessenten. Uns bleibt aber immer noch die Hoffnung das der LKW mit samt seiner Ladung doch noch seinen Weg findet

Wolfgang Krczal-Lindenberger

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